Wann Gebisslos- und Halsring-Reiten wirklich Sinn machen

Sein Pferd mit so gut wie wie nichts reiten zu können, das wünscht sich früher oder später (fast) jeder Reiter. Es zeugt von einem harmonischen Miteinander, einem hohen Maß an gegenseitigem Vertrauen und einem gut ausbalancierten Reiter auf einem verlässlichen Pferd.

Aber ab welchem Zeitpunkt kann ich gebisslos reiten? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich meinem Pferd derart vertrauen kann, dass ich es nur mehr mit Halsring - ohne Sattel, ohne Zaumzeug, ohne sonstige Möglichkeit, auf es einwirken zu können, reiten kann?

 

Gebisslos, das heißt mit speziellen Zäumen, in die kein Gebiss eingeschnallt ist, sondern die über die Nase und/oder das Genick wirken, kann ein gut ausgebildetes Pferd ziemlich bald geritten werden. Vorausgesetzt, Pferd und Reiter kennen sich gut, alle drei Gangarten können in geregeltem Tempo geritten werden und Übergänge und Handwechsel sind ohne Kommunikationsschwierigkeiten möglich.

 

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, setze ich das Lindell oder das Sidepull gerne bei Pferden ein, die folgende Verbesserungspotenziale unter dem Reiter zeigen:

 

- zu wenig frisches Vorwärts

- Verwerfen im Genick

- Zungenprobleme

- hohe Halshaltung, kein oder wenig Nachgeben des und Öffnen im Genick

- keine oder wenig Dehnung der Oberlinie (Hals, Rücken)

- Verkriechen hinter dem Zügel

 

Pferde, die sich unter dem Reiter versteifen und sich nicht trauen, vertrauensvoll an das Gebiss heranzutreten und die Oberlinie zu dehnen sowie das Genick zu öffnen, profitieren enorm von der gebisslosen Zäumung.
Das (meist unangenehm empfundene) Gebiss fällt weg, die Pferden trauen sich schneller, sich nach vorwärts-abwärts zu dehnen, den Hals fallen zu lassen und damit den Rücken aufzuwölben. Ein frisches Vorwärts sollte dabei aber selbstverständlich sein.

 

Die Steigerungsform, das Halsring-Reiten, setze ich gerne bei Pferden ein, die wenig Vorwärts zeigen, die sich hinter dem Zügel verkriechen und sich verhalten.

Alleine das Gefühl der Freiheit ohne Zäumung lässt die Pferde gleich viel frischer vorwärts gehen und sie entdecken wieder die Freude an der Bewegung ohne das Gefühl der einschränkenden Zäumung.

 

Das Lindell (bzw. Sidepull) oder den Halsring setze ich ab und zu in der Dressurarbeit ein, um dem Pferd Abwechslung und Freude an der Bewegung zu bieten. Eine korrekte Anlehnung durch das energische Herantreten der Hinterhand unter den Schwerpunkt des Reiters bei gleichzeitigem Heben der Vorhand und des Widerrists ist gebisslos nur schwer zu erreichen, aber nicht unmöglich - wie viele Videos im Internet beweisen.

 

Falls der Wunsch bestehen sollte, einmal gebisslos oder völlig frei nur mit Halsring reiten zu können, leite ich gerne die vorbereitenden Übungen und schlussendlich das Reiten in völliger (gebissloser) Freiheit an: Einfach bei mir melden!

 

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