Sitzschulung: So verbesserst du deinen Sitz um Welten

Losgelassener und ausbalancierter Reitersitz: Der Weg zu Harmonie beim Reiten.
Ein losgelassener und ausbalancierter Reiter ist ein Muss für jeden, der nach Harmonie beim Reiten strebt.

Du strebst nach dieser viel besprochenen Harmonie im Sattel mit dem Pferd und dir fehlt irgendwie noch etwas?
Du fühlst dich im Sattel noch nicht wirklich verbunden mit deinem Pferd? Es hopst und schaukelt im Trab, vor allem beim Aussitzen, und auch im Galopp? Eventuell hast du auch Rückenschmerzen beim oder nach dem Reiten?

 

Wenn du die folgenden Tipps berücksichtigst, kommst du deinem Ziel - einem ausbalancierten, mitgehenden Reitersitz - gleich um einige Schritte näher!
Regelmäßiges Yoga oder Stretching für lockere Muskeln

Nur wer lockere Muskeln und offene Gelenke hat, hat einen mitgehenden, unabhängigen Reitersitz. Klingt so einfach! Sitzen wir nicht alle total locker am Pferd? Vor allem nach einem 10-Stunden-Büroarbeitstag oder einem ganzen Tag hinter der Schulbank?
Nein! Das tun wir leider nicht. Wer sich nicht regelmäßig bewegt, wird immer mit verspannten Muskeln (v.a. Schulter und Nackenbereich) und stockenden Bewegungen im Becken (v.a. Hüftgelenke) zu tun haben. Wer rastet, der rostet!
Um deine Gelenke beweglich und deine Muskeln elastisch zu behalten, solltest du regelmäßig etwas dafür tun! Ich habe Yin Yoga, eine ganz besondere Art von Yoga, für mich entdeckt. Und es ist mein persönliches Elixir für einen unabhängigen, losgelassenen, beweglichen Reitersitz! Das faszinierende an Yin Yoga ist das Beibehalten von einer Position über mehrere Minuten: So werden die untersten Muskelschichten, die Faszien, aktiviert. Nach einer nur halbständigen Session, die ich eine Stunde vor dem Reiten zuhause gemacht hatte, bemerkte ich ein vollständig anderes und positiveres Sitzgefühl. Man sitzt durch diese Yin Yoga-Übungen tiefer im Sattel und gefühlt "im" Pferd, statt nur "auf" dem Pferd. Aussitzen im Trab und gefühlvolles Mitgehen im Galopp werden dadurch zum Klacks!
Speziell Übungen für den Rücken und die Beine, die die Hüfte mobilisieren und den Rücken kräftigen, sollten Reiterinnen und Reiter mind. 2x wöchentlich machen.
Ich habe mir aus dem Buch "Faszientraining mit Yin Yoga" Übungen speziell für meine "Problemzonen" unterer Rücken und Hüftgelenke herausgesucht und praktiziere diese mind. 4x pro Woche.
Probiert es aus - das Ergebnis beim Reiten wird euch umhauen!

Buchtipp: Dirk Bennewitz/Andrea Kubasch: Faszientraining mit Yin Yoga
Mich würde deine Meinung interessieren! Was hältst du von einer Fotosession mit meinen Lieblings-Yoga-Übungen für einen besseren Reitersitz?
Hinterlasse mir deine Meinung als Kommentar zu diesem Blogbeitrag!

Sitzschulung des Reiters: Oberschenkel über die Sattelpauschen legen
Die Oberschenkel über die Pauschen zu legen, hilft, den unteren Rücken zu füllen - und wirkt dem Sitz im Hohlkreuz entgegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oberschenkel über die Sattelpauschen legen

Eine ganz einfache Übung, die ich beim Reiten am hingegebenen Zügel in der Aufwärmphase immer einbaue:
Lege deine Oberschenkel über die Pauschen eures Sattels. Beim Dressur- oder Vielseitigkeitssattel kannst du die Pauschen als Stütze für eure Oberschenkel benutzen, beim Westernsattel legst du die Oberschenkel neben das Horn.
Durch diese Übung dehnst du  automatisch deinen unteren Rücken auf - ein Sitzen im Hohlkreuz ist dadurch gar nicht mehr möglich. Geh in diesem Sitz mehrere Runden Schritt und fühle deine Sitzbeinhöcker: Diese solltest du nur mehr ganz dezent spüren.

Bei jedem Ausatmen lenkst du deinen Atem ganz bewusst in die Region des unteren Rückens und in das Becken. Beim Einatmen dehnt sich dein Brustkorb aus und richtet euch auf. Dies alles sind kleine Bewegungen - nicht übertreiben!

Wenn dein Pferd in diesem Sitz abschnaubt und den Hals fällen lässt: Voilà! Der erste Schritt Richtung losgelassener Sitz ist getan und dein Pferd dankt dir!

Nach ein paar Runden Schritt legst du die Oberschenkel wieder in die Ausgangsposition zurück: Bewege nur die Oberschenkel, sonst nichts.
Du solltest nun das Gefühl haben, tiefer im Sattel zu sitzen, du hast mehr Kontakt über den Hintern mit dem Sattel und die Oberschenkel kleben gefühlt zu weit an den Pauschen bzw. am Sattelblatt vorne. Doch nichts daran ist falsch! Wer seine Sitzbeinhöcker beim Reiten ständig spürt, sitzt im Hohlkreuz. Und wer seine Oberschenkel von den - meist viel zu großen Pauschen - nach hinten drücken lässt, gerät ins Klemmen mit den Knien, was die Hüfte völlig blockiert. Dies dient nicht dem unabhängigen Reitersitz und ist zudem sehr unangenehm für das Pferd.

Reiten ohne Sattel zur Sitzschulung des Reiters
Reiten ohne Sattel: Bringt grobe Sitzfehler ans Tageslicht, hilft sie aber auch auszumerzen.

 

 

 

 

 

 

Reiten ohne Sattel

Hin und wieder ohne Sattel zu reiten (wer will gerne auch mit einem Pad), legt Fehler im Reitersitz offen. So übt man am leichtesten Sitzkontrolle aus!

Wer beim Reiten ohne Sattel nur auf dem Pferd bleibt, wenn die Knie zur Stabilisierung ans Pferd gedrückt werden müssen oder wenn Aussitzen nur mit stark nach hinten gelehntem Oberkörper möglich ist, dann muss klar sein: Hier fehlt es am mitgehenden Becken und offenen Hüftgelenken!
Nimm dir dann vor, deine Hüftgelenke und deinen unteren Rücken durch spezielle Übungen (Stretching, Yoga - siehe Punkt 1 meiner Liste) wieder zu mobilisieren und überprüfe dann wieder deinen Sitz beim Reiten ohne Sattel: Er sollte sich deutlich verbessern. Schonender fürs Pferd ist es beim Reiten ohne Sattel übrigens auch ohne Gebiss, d.h. gebisslos. Beim Reiten ohne Sattel werden Reiterschwächen multipliziert und wer noch nicht über den perfekten losgelassenen Reitersitz verfügt, wird auch noch keine vom Sitz unabhängige Reiterhand haben und dann dem Pferd vermehrt unnötig im Maul herumzupfen. Wer sich ohne Sattel und ohne Trense nicht sicher fühlt, bittet eine Freundin, einen Freund im Stall, eine Longe einzuhängen. So kannst du die Kontrolle zumindest teilweise abgeben und dich voll und ganz auf deine Körperwahrnehmung während der Sitzschulung konzentrieren.

Regelmäßiger Ausdauersport hält beim Reiten fit
Reiten ist Sport: Halte dich mit regelmäßigem Ausdauersport fit.

 

 

 

 

 

Leichter Ausdauersport für Ausgleich und Stärkung von Kreislauf und Bewegungsapparat

Nur wer fit ist und seinen Körper in Schuss hält, ist auch fit fürs Reiten - so meine Meinung. Ja, Reiten ist für mich Sport, und der macht nur Spaß, wenn ich fit bin und nicht nach einer Runde im Aussitzen hechelnd am Pferd sitze.

Deshalb versuche ich, so oft wie möglich leichten Ausdauersport zu machen. Dazu zählen für mich gemütliche Wanderungen mit dem Hund, leichte Klettertouren oder Klettersteige, Mountainbiken oder Rennradeln (perfekt für die Gelenke in den Beinen) oder im Winter Skifahren und Skitouren.

Damit halte ich mein Herz-Kreislauf-System in Schwung, baue Ausdauer und Kraft auf und mobilisiere zudem meinen gesamten Bewegungsapparat. Und wo, wenn nicht beim Reiten, ist mein Körper derart schwungvoll in Bewegung wie beim Reiten und wo, wenn nicht beim Reiten, muss ich nicht nur meinen Körper in Bewegung unter Kontrolle halten, sondern zudem noch einen zweiten Körper, nämlich den des Pferdes?? Allein, dass ich mein Pferd bestmöglich beim Reiten unterstützen möchte, verlangt von mir, ein genauso guter "Sportkamerad" zu sein, wie ich es auch von meinem Pferd verlange. Also wieso nicht auch seinen eigenen Körper trainieren und nicht nur den des Pferdes?

Videos beim Reiten machen

Bitte immer wieder mal einen Pferdefreund, eine Pferdefreundin im Stall, dich beim Reiten zu filmen. Es reicht eine kurze Sequenz etwa im Schulterherein oder im Galopp am Zirkel. Sich selbst zu beobachten und Fehler, die dadurch ans Tageslicht gelangen, zu entdecken und zu akzeptieren, bringt dich schon einen gewaltigen Schritt zum perfekten Reitersitz weiter: Du weißt nun, wo deine Schwächen liegen, aber auch, was schon gut gelingt. Und dann arbeite an diesen Schwächen, am besten mit professioneller Hilfe. Gerade, wenn es um lange "eingesessene" Fehler beim Reitersitz geht, kommt man alleine nicht richtig weiter. Neue Anreize von einer objektiven Person bringen schnellere Fortschritte als wenn du ständig alleine zuhause rumprobierst - vor allem weil die Erfolgskontrolle fehlt. Du kannst dich ja schließlich nicht jeden Tag filmen, außer du hast einen sehr verständnisvollen Freund ;)

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