Tellington-Erfolgsstory: Vom Hasenpferd, das zum stolzen König wurde

von Mareike Spindelegger

Vertrauen gewinnen durch Tellington-Körperarbeit und Tellington-Bodenarbeit
Zuerst das volle Vertrauen am Boden gewinnen: Tellington-Körperarbeit und Tellington-Bodenarbeit helfen dabei

Eine meiner langjährigen SchülerInnen, Mareike, hat mir einen wunderschönen Bericht über die Geschichte von Orpheus und seinem Wandel vom "Hasenpferd", wie sie es nennt, zum stolzen König geschickt.


Diese Erfolgsstory ist so toll, dass ich sie euch auf keinen Fall vorenthalten will.

Außerdem vermittelt sie viel von dem, was mir im Umgang mit dem Pferd und "ihren" Menschen sehr wichtig ist und was ich auch immer an meine SchülerInnen vermittle: Gebt euren Pferden viel Zeit und habt Geduld! Es lohnt sich - auch wenn der Erfolg oder das gesteckte Ziel in weiter Ferne zu sein scheint.


Ich bin gespannt, was ihr zu dieser Story sagt - ich freue mich auf eure Kommentare!

Vom Hasenpferd, das zum stolzen König wurde

von Mareike Spindelegger

 

Orpheus ist ein 9-jähriger Lipizzaner. Er kam vor knapp 2 Jahren in mein Leben. Die Vorbesitzerin meinte, er sei sehr ängstlich. Ich habe mich unendlich in dieses Pferd verliebt und wollte diese Herausforderung annehmen. Innerhalb kürzester Zeit sollte sich bestätigen, dass Orpheus sich vor jedem Blatt, Vögelchen, Bäumchen, Auto, Traktor, einfach allem, was sich bewegt oder ein Geräusch macht, erschrickt. Zu wenig Vertrauen in den Menschen und zu wenig Auslastung machte aus einem stolzen und mutigen Pferd einen unberechenbaren, steigenden und durchgehenden Rüpel. Orpheus schaltete bei jeder Gelegenheit oder schwierigen Situation sein Hirn aus und hörte nur noch auf seinen Instinkt und floh. Nachdem ich über ein dreiviertel Jahr verschiedene Methoden, Trainer und Techniken ausprobierte und die „interessantesten“ Aussagen („der ist nur dominant!“) zu meinem Pferd hörte und sich nichts veränderte, beeindruckte mich ein Zitat im Internet: „Es ist leichter, ein paar Pfund Gehirnmasse zu beeinflussen als ein paar Zentner Pferdekörper“ von Linda Tellington-Jones. Dies schien mir sehr treffend in Bezug auf mein Hasenpferd zu sein. Ich suchte mir eine Trainerin im Raum Tirol, die mit Tellington Erfahrungen hat und mir bei der Arbeit mit Orpheus helfen wollte. So lernten wir Melanie Knünz kennen und als Erstes lernten wir, dass putzen eine Massage ist und die ganze Anspannung, Hysterie und Unruhe am Putzplatz unnötig ist.


Tellington Touches bei jedem Putzen, Maularbeit und Körperbandagen. Lustig sehen diese Körperbandagen schon aus, um den Kopf als „Denkerhaube“ (für Kopflose) oder um den Rumpf und die Hinterhand (für Pferde, die nicht genau wissen, wie lang sie sind). Vertrauen will verdient sein und es dauert einfach seine Zeit, bis sich ein Pferd auf einen neuen Besitzer verlassen (einlassen) kann.


Beim ersten Training mit Melanie gab es erst mal TTouches von Kopf bis Fuß, und man konnte zusehen, wie sich die hohe Grundspannung von Orpheus langsam begann zu verbessern. Von Minute zu Minute wurde er ruhiger und ich konnte nach dem Putzen ohne Hektik und Angst zu haben, „übern Haufen“ gerannt zu werden, in den Reitplatz hineingehen. Dann noch 10 Minuten Führtraining im Labyrinth und nach jeder Wendung stehen bleiben, ohne am Strick zu ziehen. Orpheus und ich waren nach dieser Einheit sichtlich geschafft, aber auch ein ganzes Stück näher zusammen gerückt (mehr als bei anderen Trainern zuvor).


Wir übten fast täglich für ca. eine halbe Stunde, wobei ich vor dem Führtraining mindestens eine halbe Stunde TTouches gemacht habe. In der zweiten Einheit (einige Zeit später) kam Melanie mit einer Fahne. „Gefährlich!“, dachte ich, aber mit der Führposition „Brieftaube“ aus der Tellington-Methode, einer Technik, bei der man zu zweit ein Pferd führt, um es besser einzurahmen und dadurch mehr Sicherheit zu geben, war diese Herausforderung für uns zu schaffen. Beim Training allein nahm ich ein Handtuch, das ich an einen Stock band, und geführt habe ich allein. Nach einiger Zeit, TTouches und Führtraining konnte ich ein Handtuch neben Orpheus ausschütteln und damit wedeln, so viel ich wollte, ohne dass er sich in Panik losriss – das ist bis heute so!


Die dritte Einheit fing sehr schwierig an. Ein Traktor fuhr hinter uns am Reitplatz vorbei und versetzte Orpheus in einen so großen Schock, dass er mir von hinten in den Rücken sprang. Nach diesem Ereignis beschloss Melanie mir und Orpheus eine neue Führposition zu zeigen, die ihm und mir mehr Platz zum Handeln gab, auch mehr Sicherheit durch mehr Abstand. Orpheus verstand schnell, doch kam uns leider oder zum Glück (wie man es sieht) ein Umzug in einen neuen Stall dazwischen. Nach der Eingewöhnungsphase im neuen Stall und in neuer Umgebung haben wir eigentlich wieder fast von vorne angefangen. Der neue Reitplatz, neue Kumpels, neue Umgebung, anderes Heu etc. machten Orpheus sehr zu schaffen und er wurde wieder unruhiger und zappeliger. Ich besann mich auf die Arbeit zu Anfang und begann mit Massagen, TTouches, Maularbeit und Körperbandagen bei jedem Besuch. Innerhalb kürzester Zeit fanden wir zu unserer neuen (nur kurz verloren gegangenen) Gelassenheit, und Melanie kam zur nächsten Einheit. Die Basics funktionierten nach einem halben Jahr intensiver Arbeit schon recht gut und wir begannen mit kleinen Schulterherein-Übungen. Eine lange Zeit mag man denken, aber es hat sich jede Minute und Stunde ausgezahlt. Orpheus und mir genug Zeit zu geben, alles zu festigen und die Bindung und das Vertrauen weiter aufzubauen ohne Stress und Druck lohnt sich in meinen Augen immer.


Der nächste Besuch von Melanie sollte endlich auf dem Pferd stattfinden und Melanie gestand mir danach, dass sie eigentlich kurz gezweifelt hat, ob das wirklich so eine gute Idee sei. Doch alles, was wir uns durch die Bodenarbeit zuvor erarbeitet hatten, machte sich bezahlt.


Orpheus und ich sind noch lange nicht am Ziel angekommen, aber wir haben Zeit (meiner Meinung nach das Wichtigste in der Arbeit mit Pferden), und ich habe für mich eine Art und Weise gefunden, mit der ich in eine gute Kommunikation zwischen Pferd und Mensch treten kann. Tellington kann dem Pferd helfen, vom instinktgetriebenen und ängstlichen Fluchttier wieder zu einem mutigen und stolzen Tier zu werden, was ich nur bestätigen kann.

Mit Tellington-Arbeit zum Erfolg: Entspanntes Reiten
Nach langer und intensiver Tellington-Arbeit und viel Geduld kann Mareike Orpheus wieder entspannt reiten.

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