10 Übungen für einen beweglichen Oberkörper des Reiters

Nachdem das Feedback auf meinen Blogbeitrag "9 effektive Yoga-Übungen, die deinen Reitersitz enorm verbessern werden" so phänomenal war, war für mich klar, dass da definitiv Nachfrage und Bewusstsein bei den Reitern da draußen für Sitzübungen vorhanden ist.
Ein Kommentar auf meinen Beitrag zu den Yoga-Übungen speziell für den unteren Rücken und das Becken sowie die Hüftgelenke brachte mich dann auf die Idee, eine Übungsserie für den Oberkörper und die Arme zusammenzustellen.

Und so spontan wie die Idee für die Übungsserie war, so spontan war auch das Fotoshooting.

Warum soll ich auch den Oberkörper aufwärmen und mobilisieren?


Ein Oberkörper, der die Bewegungen des Beckens nicht flüssig und ohne Stocken durch die Wirbelsäule bis in den Kopf hinauf durchlässt, lässt den Reiter ruckeln und zuckeln auf dem Pferd. Reiter die zwar ein sehr bewegliches Becken haben, aber im Oberkörper steif sind, nicken mit dem Kopf mit und haben unruhige Hände.


Feinfühlig und sensibel einwirken können wir Reiter nur, wenn der GESAMTE Körper frei und beweglich ist und in allen Bewegungen des Pferdes frei mitschwingen kann.

Und dazu gehört natürlich auch der Oberkörper! Die Handgelenke müssen locker und entspannt den Zügel halten können, der Kopf sollte frei auf dem Hals ausbalanciert getragen werden, die Unterarme entspannt und die Oberarme den Oberkörper weich umschmeicheln, die Ellbogen jederzeit bereit, nach vorne oder nach hinten nachzufedern.


Die folgenden 5 Übungen helfen euch, euren Oberkörper und die Arme während des Putzens, vor dem Satteln, aber auch direkt beim Reiten zu mobilisieren:

1. Aufwärmen des Schulterbereiches beim Putzen

Bereits beim Putzen könnt ihr euren Oberkörper bereits mit schwungvollen und ausladenden Bewegungen aufgewärmen. Am besten stellt ihr euch im Ausfallschritt seitlich neben das Pferd und bürstet mit der entgegengesetzten Hand vom Kopf des Pferdes bis zum Schweif bzw. den Hufen. Macht dies mit beiden Händen und auf beiden Seiten des Pferdes.

So wärmt ihr bereits beim Putzen euren Schultergürtel auf und verbessert die Beweglichkeit der Schultern.

2. Dehnen des Brustkorbs

Diese Übung könnt ihr nach dem Putzen und vor dem Satteln eures Pferdes machen. Habt ihr das Putzen wie oben beschrieben gemacht, seid ihr schon aufgewärmt für diese folgende Übung. Diese Übung bitte nicht unaufgewärmt machen!


Stellt euch mit dem Rücken nah an euer Pferd und hebt die Arme auf Schulterhöhe (90 Grad), Hände zeigen nach oben (siehe Bild). Nun lehnt euch vorsichtig am Bauch eures Pferdes nach hinten, bis ihr ein leichtes Ziehen im Brustbereich spürt. Hals und Kehlkopf könnt ihr zudem dehnen, wenn ihr den Kopf vorsichtig nach hinten nehmt.


3. Dehnen der Unterarm-Muskulatur

Stellt euch schulterbreit aufrecht hin. Streckt eure Arme seitlich von euch (siehe Foto). Nun lasst eure Finger nach unten Richtung Boden schauen. So dehnt ihr die obere Unterarm-Muskulatur.

Dann die Hände nach oben zeigen lassen - die untere Unterarm-Muskulatur wird gedehnt. Außerdem werden damit eure Handgelenke schön weich und beweglich.


Diese Übung mehrmals wiederholen und in den einzelnen Positionen mind. 5 bis 10 sec. bleiben.

4. Finger und Handgelenke mobilisieren

Um eure Handgelenke beweglich und geschmeidig beim Reiten einsetzen zu können, lohnt es sich, diese auch genügend aufzuwärmen. Nur weiche, aufgewärmte Handgelenke und Finger können fein einwirken und der Nickbewegung des Kopfes und Halses des Pferdes folgen.


Für diese Übung lässt ihr die Hände in der Grundposition wie auch für die Übung zur Dehnung der Unterarm-Muskulatur. Nun öffnet und schließt ihr eure Finger abwechselnd. Macht dies langsam und ohne Anstrengung - sonst bekommt ihr gepumpte Unterarme wie beim Klettern. Ihr wollt die Unterarme schließlich fürs spätere Reiten locker haben, nicht verkrampft!

5. Schultern, Ellbogen und Handgelenke kreisen

Bewegt eure Handgelenke, Ellbogen und Arme frei in alle Richtung. Lasst die Bewegung frei aus den Handgelenken fließen, macht sanfte Kreise. Dann nehmt die Bewegung der Ellbogen dazu, zuletzt die Oberarme und die Schultern. Bewegt eure Arme wie eine Krake in alle Richtung.

Diese Übung könnt ihr auch auf dem Pferd während des Schrittreitens machen!

6. Schulter zum Kinn und Kinn zur Schulter

Diese Übungen lassen sich auch genauso gut auf dem Pferd durchführen.

So mobilisiert ihr eure Schultergelenke und dehnt und lockert den Nacken:


Dreht euren Kopf auf eine Seite - nur soweit wie es euch angenehm ist, nicht über einen Schmerzpunkt drübergehen!


1. Bringt die Schulter zu eurem Kinn. Der Kopf sollte an seiner Stelle bleiben. Verweilt in dieser Position ein paar Sekunden. Wechsel auf die andere Seite.


2. Dann führt ihr das Kinn zur Schulter und bleibt ein paar Sekunden in dieser Position. Wechsel auf die andere Seite.


Spürt nach: Was geht leichter, was hackelt? Macht die Übungen nochmals und schaut, ob sich euer Bewegungsspektrum verbesser hat.

7. Kaugummi von den Schultern ziehen

Bei dieser Übung stellt ihr euch vor, es klebt ein Kaugummi auf jeder Schulter. Fasst diesen imaginären Kaugummi mit den Fingern und zieht ihn von euren Schultern (siehe Foto), dann die Bewegung wieder zurück.

Super Übung, um den Schulterbereich flexibel und locker zu machen.

8. In den Himmel wachsen

Bei dieser Übung öffnet ihr euren Schultergürtel nach oben und streckt euch im gesamten Körper.

Stellt euch vor, ihr seid eine Marionette und jemand würde euch an den Haaren nach oben in den Himmel ziehen, seid aber mit den Füßen am Boden fest verwurzelt.

Streckt euch so nach oben (Achtung: Dabei nicht ins Hohlkreuz fallen!) und führt die Bewegung des Haarsträhne-nach-oben-Ziehens auch abwechselnd mit einer Hand durch. Ihr könnt euch auch an einer Haarsträhne vorsichtig nach oben ziehen.

9. Katzenbuckel

Diese Übung könnt ihr im Halten, aber auch im Schritt durchführen. Fortgeschrittene probieren es im Trab und Galopp!


Geht in den leichten Sitz, Hintern aus dem Sattel, Beine sind gleichmäßig belastet. Während der gesamten Übung sollten die Beine an derselben Positon bleiben und nicht nach vorne oder hinten verrutschen.


Dann wölbt euren Körper übertrieben auf - wie einen Katzenbuckel. Atmet ruhig weiter und bleibt ein paar Sekunden in dieser Position. So öffnet ihr langsam die Zwischenräume der Wirbelkörper und dehnt dabei auch noch euer Nackenband. Dann langsam und vorsichtig wieder zurück in den leichten Sitz.

10. Hohlkreuz

Dann macht die Bewegung in die entgegengesetzte Richtung: Aus dem leichten Sitz heraus ins übertriebene Hohlkreuz. Das dehnt die Vorderseite eures Oberkörpers, den Brustbereich.

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