Di

16

Feb

2016

Wenn die Schiefe des Reiters die Schiefe des Pferdes beeinflusst

Jeder Reiter weiß heutzutage über die natürliche Schiefe des Pferdes Bescheid und auch darüber, dass an ihr durch sinnvolle Gymnastizierung gearbeitet werden muss, um das Pferd lange gesund zu erhalten. Doch nur wenige Reiter bedenken, dass auch sie selbst schief sind. Und das kann so schlimm sein, dass die unbemerkte Schiefe des Reiters das Pferd grundlegend in seinen Bewegungen beeinträchtigt.

Wer verantwortungsbewusst sein Pferd reiten will, kommt um die Beseitigung der natürlichen Schiefe des Pferdes nicht herum. Viele Reiter bemerken das daran, dass sich das Pferd auf einer Seite „hohl“ anfühlt, auf der anderen Seite, der Zwangsseite, fallen dem Pferd Stellung und Biegung schwerer. Dementsprechend muss auf sinnvolle Gymnastizierung geachtet werden, um das entsprechend „schlechtere“ Hinterbein zu beeinflussen, mehr unter den Schwerpunkt zu treten.

Mir liegt viel an dieser Gymnastizierung und dem lockeren und schwungvollen Vorwärts meiner Pferde. Ich arbeite an der Schiefe bewusst, indem ich viele Handwechsel, Übergänge und Seitengänge in allen Gangarten reite. Doch vor geraumer Zeit bemerkte ich, dass ich damit keinen wirklichen Erfolg erzielte. Ganz im Gegenteil: Mein Pferd verweigerte nach links herum teilweise sogar völlig die Stellung, ließ sich manchmal sogar gar nicht mehr nach links abwenden!
Das war für mich wie ein Schlag ins Gesicht: Ich bin Reitlehrerin, lehre meinen Schülern die korrekte Stellung und Biegung, achte darauf, dass der seitwärtsweisende Zügel immer nur seitwärts und nie rückwärts wirken darf, und dann kann ich mein eigenes Pferd nicht mal mehr in korrekter Biegung auf eine Volte reiten – das brachte mich zum Nachdenken. Ich überlegte, ob ich die Trense tauschen sollte, ob sie zu stark auf das Unterkiefer einwirkt und sich mein Pferd deshalb der Einwirkung entzieht, ich achtete auf vermehrten Drehsitz und weiche Handeinwirkung, dachte an eine Kursteilnahme, um mir explizit deswegen Hilfe von außen zu holen … Meine Gedanken kreisten nur mehr darum, was das Problem bei meinem Pferd war und wie ich dem Herr werden konnte.


Bis eine Freundin sich auf mein Pferd setzte.


Mein Pferd lief, als wäre nie etwas gewesen. Es lief locker vorwärts, wunderschön in leichter Anlehnung, ließ sich rechts UND links schön stellen und biegen. Aha. Noch so ein Schlag ins Gesicht, jetzt wurde ich langsam wirklich ärgerlich: Wieso läuft mein Pferd mit anderen Reitern problemlos, lässt sich stellen und biegen und geht weich in Anlehnung – nur bei mir nicht?


Es dauerte nur wenige Tage, aber dann kam das Aha! Der Satz, den fast jeder meiner Reitschüler schon zigmal gehört hatte – 90% aller Probleme beim Pferd verursacht der Reiter –, traf zu 100% auf mich zu. Bezüglich der Hilfen war ich mir allerdings sicher, alles oder zumindest sehr viel korrekt zu machen. Was war aber dann die Ursache?
Viele Reiter haben das Gefühl, irgendwann anzustehen, nicht weiter zu wissen. Oftmals kann dann auch ein Kurs oder ein neuer Reitlehrer nur wenig ausrichten. Wenn gesundheitliche Probleme beim Pferd ausgeschlossen werden können (Zähne, passender Sattel, Rücken, Hufe, Haltung etc.) und man mit korrekter Anleitung eines guten Trainers immer noch nicht wirklich weiterkommt, dann lohnt es sich, mal einen näheren Blick auf sich selbst zu werfen: Bin ich beweglich genug, den Bewegungen meines Pferdes in allen drei Gangarten flüssig und weich zu folgen, ohne es irgendwie zu blockieren? Leide ich eventuell an Rückenschmerzen oder anderen Schmerzen, die meine körperliche Fitness beeinträchtigen?


„Zufällig“ litt ich in derselben Zeit unter extremen Schmerzen in der Brustwirbelsäule. Alles fühlte sich verspannt und verkrampft an. Alleine Sitzen oder Stehen ging nicht, ohne irgendein Ziehen oder Spannen zu fühlen. Zu allem Überdruss meldete sich dann auch noch meine Lendenwirbelsäule mit einem blockierten ISG. Nach dem Reiten hatte ich allerdings das Gefühl, dass es mir besser ging. Darüber nachzudenken, wie sich nach so einem Ritt mein Pferd fühlte, kam mir allerdings nie in den Sinn …
Nachdem alle Feiertage vorüber waren, konnte ich mich endlich bei meiner Hausärztin akupunktieren lassen, was mir sofortige Linderung verschaffte. Es ritt sich schon mal zumindest wieder ohne Schmerzen.


Eine Reiterkollegin empfahl mir dann einen Osteopathen, da müsse ich unbedingt hin, toller Typ. Ich dachte mir, der ist sicher auch Physiotherapeut und kann meine steinharten Muskelverspannungen neben der Wirbelsäule sicherlich auch lösen. Doch falsch gedacht: Meine verspannten Muskeln kamen gar nicht zur Sprache. Es haperte ganz wo anders: Es stellte sich heraus, dass meine gesamte Wirbelsäule nicht nur ein wenig, sondern sehr, sehr schief ist. Dass ich eine leichte Skoliose (eine seitliche Verschiebung der Wirbelsäule) habe, wusste ich, nicht aber, dass da sogar ein doppelter Schwung drinnen war, der mein Skelett zusätzlich belastete.
Zudem ist mein Becken mittlerweile unnatürlich nach rechts oben verdreht und es war ein deutlicher Beckenschiefstand zu erkennen. Auf der linken Beckenseite ist eine enorme Spannung, die sich über den linken Rückenmuskel bis in die inneren Organe, die völlig komprimiert sind, zieht. D.h. mir ist es so überhaupt nicht möglich, geschmeidig nach links im Becken mitzudrehen!

Gerades Becken - optimale Reitereinwirkung
Ein gerades Becken: So kann der Reiter in Balance sitzen und optimal auf sein Pferd einwirken. Bei einem Beckenschiefstand liegt eine Beckenschaufel höher als die andere.

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen! Ich musste kurz durchatmen und schlucken – mein Pferd konnte gar nicht anders, als nicht nach links abzuwenden. Mein ganzer Körper sagte ihm, geh gerade aus oder besser sogar nach rechts! Dass der Zügel in die andere Richtung zog, konnte ihn nur zum völligen Steifwerden im Genick und Festmachen am Zügel bringen. Ich fühlte mich furchtbar schlecht. Mein Osteopath merkte das und meinte: „Warte nur, bis ich dich fertig behandelt habe, dein Pferd wird sich morgen wie im 7. Himmel fühlen, wenn du oben sitzt!“

Das Ganze gab mir stark zu denken: Wie lange war ich schon so völlig schief, wie lange plagte ich schon meine Pferde mit völlig asymetrischen, unverständlichen Hilfen? Dass zwei Blockaden in meiner Hals- und Brustwirbelsäule wohl schon seit über 10 Jahren bestanden, machte für mich die Sache nicht einfacher.

Doch was kann der Reiter nun konkret tun, um durch die eigene Schiefe nicht die Hilfengebung für das Pferd völlig unverständlich werden zu lassen?

1.       Jeder Reiter wärmt sein Pferd vor der Reitstunde auf. Wieso wärmt er sich selbst nicht auf? Auch die menschlichen Gelenke und Muskeln sollten vor so einer komplexen Bewegung wie dem Reiten aufgewärmt werden. Da reicht schon das gemeinsame Schrittgehen mit dem Pferd vor der Reitstunde. Auf dem Pferd sitzend kann man Arm- und Zehenkreise machen, den Kopf vorsichtig kreisen, Handgelenke und Sprunggelenke lockern etc.

2.       Ein guter Reiter macht Ausgleichssport: Yoga oder Pilates eignen sich besonders, um verspannte Muskeln und steife Gelenke für das Reiten vorzubereiten. Doch Achtung: Auch vor Stretching oder Yoga sollte man sich ausreichend aufwärmen, z. B. durch Slacklining, das zusätzlich die Koordination und die Balance schult.

3.       So wie man 1 bis 2 Mal im Jahr dem Pferd einen Termin beim Osteopathen, Physiotherapeuten oder Chiropraktiker gönnt, so sollte dies beim Reiter auch zur Selbstverständlichkeit werden. So entdeckt ein guter Osteopath oder Physiotherapeut für Menschen rechtzeitig Fehlstellungen, einen Beckenschiefstand, eine unterschiedliche Beinlänge oder andere Ursachen und kann sie im besten Fall sofort beheben.

4.       Lasst immer mal wieder andere Reiter eure Pferde reiten. Viele unterschiedliche Pferde zu reiten, macht Reiter so richtig gut. Sich individuell auf ein Pferd einzustellen, macht erstens unglaublich Spaß und schult die Hilfengebung! Reiterwechsel bzw. Pferdewechsel macht euch auf Probleme aufmerksam, die möglicherweise nur unter euch Probleme sind. Verschwinden Probleme unter einem anderen Reiter plötzlich, so sind die Ursachen ziemlich sicher im Reiter zu finden. Doch das soll kein Grund sein, eifersüchtig auf die besser reitende Freundin zu werden und sich in einem Schneckenhaus zu verkriechen: Nehmt diese tolle Hilfe an und geht auf Ursachensuche: Vielleicht ist nur euer Hüftstrecker ein wenig verkürzt und durch optimale Übungen könnt ihr dem entgegenwirken und bald wieder genauso geschmeidig im Trab eine Volte aussitzen wie die Freundin!

 

7 Kommentare

Sa

20

Jun

2015

10 Übungen für einen beweglichen Oberkörper des Reiters

Nachdem das Feedback auf meinen Blogbeitrag "9 effektive Yoga-Übungen, die deinen Reitersitz enorm verbessern werden" so phänomenal war, war für mich klar, dass da definitiv Nachfrage und Bewusstsein bei den Reitern da draußen für Sitzübungen vorhanden ist.
Ein Kommentar auf meinen Beitrag zu den Yoga-Übungen speziell für den unteren Rücken und das Becken sowie die Hüftgelenke brachte mich dann auf die Idee, eine Übungsserie für den Oberkörper und die Arme zusammenzustellen.

Und so spontan wie die Idee für die Übungsserie war, so spontan war auch das Fotoshooting.

Warum soll ich auch den Oberkörper aufwärmen und mobilisieren?


Ein Oberkörper, der die Bewegungen des Beckens nicht flüssig und ohne Stocken durch die Wirbelsäule bis in den Kopf hinauf durchlässt, lässt den Reiter ruckeln und zuckeln auf dem Pferd. Reiter die zwar ein sehr bewegliches Becken haben, aber im Oberkörper steif sind, nicken mit dem Kopf mit und haben unruhige Hände.


Feinfühlig und sensibel einwirken können wir Reiter nur, wenn der GESAMTE Körper frei und beweglich ist und in allen Bewegungen des Pferdes frei mitschwingen kann.

Und dazu gehört natürlich auch der Oberkörper! Die Handgelenke müssen locker und entspannt den Zügel halten können, der Kopf sollte frei auf dem Hals ausbalanciert getragen werden, die Unterarme entspannt und die Oberarme den Oberkörper weich umschmeicheln, die Ellbogen jederzeit bereit, nach vorne oder nach hinten nachzufedern.


Die folgenden 5 Übungen helfen euch, euren Oberkörper und die Arme während des Putzens, vor dem Satteln, aber auch direkt beim Reiten zu mobilisieren:

1. Aufwärmen des Schulterbereiches beim Putzen

Bereits beim Putzen könnt ihr euren Oberkörper bereits mit schwungvollen und ausladenden Bewegungen aufgewärmen. Am besten stellt ihr euch im Ausfallschritt seitlich neben das Pferd und bürstet mit der entgegengesetzten Hand vom Kopf des Pferdes bis zum Schweif bzw. den Hufen. Macht dies mit beiden Händen und auf beiden Seiten des Pferdes.

So wärmt ihr bereits beim Putzen euren Schultergürtel auf und verbessert die Beweglichkeit der Schultern.

2. Dehnen des Brustkorbs

Diese Übung könnt ihr nach dem Putzen und vor dem Satteln eures Pferdes machen. Habt ihr das Putzen wie oben beschrieben gemacht, seid ihr schon aufgewärmt für diese folgende Übung. Diese Übung bitte nicht unaufgewärmt machen!


Stellt euch mit dem Rücken nah an euer Pferd und hebt die Arme auf Schulterhöhe (90 Grad), Hände zeigen nach oben (siehe Bild). Nun lehnt euch vorsichtig am Bauch eures Pferdes nach hinten, bis ihr ein leichtes Ziehen im Brustbereich spürt. Hals und Kehlkopf könnt ihr zudem dehnen, wenn ihr den Kopf vorsichtig nach hinten nehmt.


3. Dehnen der Unterarm-Muskulatur

Stellt euch schulterbreit aufrecht hin. Streckt eure Arme seitlich von euch (siehe Foto). Nun lasst eure Finger nach unten Richtung Boden schauen. So dehnt ihr die obere Unterarm-Muskulatur.

Dann die Hände nach oben zeigen lassen - die untere Unterarm-Muskulatur wird gedehnt. Außerdem werden damit eure Handgelenke schön weich und beweglich.


Diese Übung mehrmals wiederholen und in den einzelnen Positionen mind. 5 bis 10 sec. bleiben.

4. Finger und Handgelenke mobilisieren

Um eure Handgelenke beweglich und geschmeidig beim Reiten einsetzen zu können, lohnt es sich, diese auch genügend aufzuwärmen. Nur weiche, aufgewärmte Handgelenke und Finger können fein einwirken und der Nickbewegung des Kopfes und Halses des Pferdes folgen.


Für diese Übung lässt ihr die Hände in der Grundposition wie auch für die Übung zur Dehnung der Unterarm-Muskulatur. Nun öffnet und schließt ihr eure Finger abwechselnd. Macht dies langsam und ohne Anstrengung - sonst bekommt ihr gepumpte Unterarme wie beim Klettern. Ihr wollt die Unterarme schließlich fürs spätere Reiten locker haben, nicht verkrampft!

5. Schultern, Ellbogen und Handgelenke kreisen

Bewegt eure Handgelenke, Ellbogen und Arme frei in alle Richtung. Lasst die Bewegung frei aus den Handgelenken fließen, macht sanfte Kreise. Dann nehmt die Bewegung der Ellbogen dazu, zuletzt die Oberarme und die Schultern. Bewegt eure Arme wie eine Krake in alle Richtung.

Diese Übung könnt ihr auch auf dem Pferd während des Schrittreitens machen!

6. Schulter zum Kinn und Kinn zur Schulter

Diese Übungen lassen sich auch genauso gut auf dem Pferd durchführen.

So mobilisiert ihr eure Schultergelenke und dehnt und lockert den Nacken:


Dreht euren Kopf auf eine Seite - nur soweit wie es euch angenehm ist, nicht über einen Schmerzpunkt drübergehen!


1. Bringt die Schulter zu eurem Kinn. Der Kopf sollte an seiner Stelle bleiben. Verweilt in dieser Position ein paar Sekunden. Wechsel auf die andere Seite.


2. Dann führt ihr das Kinn zur Schulter und bleibt ein paar Sekunden in dieser Position. Wechsel auf die andere Seite.


Spürt nach: Was geht leichter, was hackelt? Macht die Übungen nochmals und schaut, ob sich euer Bewegungsspektrum verbesser hat.

7. Kaugummi von den Schultern ziehen

Bei dieser Übung stellt ihr euch vor, es klebt ein Kaugummi auf jeder Schulter. Fasst diesen imaginären Kaugummi mit den Fingern und zieht ihn von euren Schultern (siehe Foto), dann die Bewegung wieder zurück.

Super Übung, um den Schulterbereich flexibel und locker zu machen.

8. In den Himmel wachsen

Bei dieser Übung öffnet ihr euren Schultergürtel nach oben und streckt euch im gesamten Körper.

Stellt euch vor, ihr seid eine Marionette und jemand würde euch an den Haaren nach oben in den Himmel ziehen, seid aber mit den Füßen am Boden fest verwurzelt.

Streckt euch so nach oben (Achtung: Dabei nicht ins Hohlkreuz fallen!) und führt die Bewegung des Haarsträhne-nach-oben-Ziehens auch abwechselnd mit einer Hand durch. Ihr könnt euch auch an einer Haarsträhne vorsichtig nach oben ziehen.

9. Katzenbuckel

Diese Übung könnt ihr im Halten, aber auch im Schritt durchführen. Fortgeschrittene probieren es im Trab und Galopp!


Geht in den leichten Sitz, Hintern aus dem Sattel, Beine sind gleichmäßig belastet. Während der gesamten Übung sollten die Beine an derselben Positon bleiben und nicht nach vorne oder hinten verrutschen.


Dann wölbt euren Körper übertrieben auf - wie einen Katzenbuckel. Atmet ruhig weiter und bleibt ein paar Sekunden in dieser Position. So öffnet ihr langsam die Zwischenräume der Wirbelkörper und dehnt dabei auch noch euer Nackenband. Dann langsam und vorsichtig wieder zurück in den leichten Sitz.

10. Hohlkreuz

Dann macht die Bewegung in die entgegengesetzte Richtung: Aus dem leichten Sitz heraus ins übertriebene Hohlkreuz. Das dehnt die Vorderseite eures Oberkörpers, den Brustbereich.

0 Kommentare

Fr

29

Mai

2015

9 effektive Yoga-Übungen, die deinen Reitersitz enorm verbessern werden

Yoga für Reiter

Wer Yoga macht, weiß, dass es nicht nur hilft, seine innere Mitte zu finden, sondern auch seinen Körper besser wahrzunehmen und zu formen. Ich als Reiterin mache seit einem Aha-Erlebnis Yin-Yoga unglaublich gern. Diese sanfte Methode, bei der die einzelnen Asanas (Übungen/Positionen 3 bis 5 Minuten lang gehalten werden, hat mir zu einem enorm besseren Sitzgefühl sowie einem beweglicheren Mitschwingen in der Hüfte verholfen.

 

Den Reitersitz verbessern mit Yoga: 9 effektive Übungen
Den Reitersitz verbessern mit Yoga - u.a. wichtig: ein lauschiges Plätzchen ;)

Seit ich die Ausbildung zum Tellington Reitlehrer begonnen habe, die viele Elemente aus dem Connected und Centered Riding enthält, ist mir um einges bewusster geworden, wie essentiell offene Hüftgelenke für einen mitschwingenden Reitersitz sind. Und wie essentiell ein ausbalancierter, mitschwingender (nicht mitgehender) Sitz für das Wohlbefinden unseres Pferdes ist!

 

Dass ich ausbalanciert am Pferd sitze, war für mich irgendwie logisch, ich fiel nicht runter, wenn mein Pferd mal auf die Seite sprang oder mal vor Freude buckelte, ich saß überm Sprung auf dem Pferd, im Gelände ... na klaro, hab ich einen ausbalancierten Sitz!

 

Als mir dann aber jemand mal ganz unverblümt sagte, "Melanie, dein Becken schwingt nicht mit, sondern dein Oberkörper schaukelt nur vor und zurück, weil deine Hüftgelenke blockiert sind", dachte ich mir: Was ist los??

Und so begann ich, ganz gezielt an meinem Sitz zu arbeiten. Die Sitzübungen aus meinem vorigen Blogbeitrag mache ich mittlerweile fast täglich, auch wenn ich nur ins Gelände reite. Ich halte mich fit und versuche meinen Körper so zu harmonisieren, dass ich mir wirklich BEWUSST bin, was jedes einzelne Körperteil beim Reiten exakt macht. Was sehr schwer ist, das gebe ich zu. Aber ich lerne und lerne.

 

Wirklich weiter brachte mich dann aber Yoga. Schon mal im Winter ausprobiert, aber nie richtig dabeigeblieben, habe ich es nach einem Reitkurs mit Peggy Cummings nochmals ausprobiert. Und habe es glücklicherweise mal genau eine gute Stunde vor dem Reiten praktiziert. Das war das Aha-Erlebnis: Kaum aufgesessen fühlte ich mich sofort mit meinem Pferd wie verschmolzen, ich saß tief im Sattel - wie gefühlt nie zuvor, die Hüftgelenke offen und mitschwingend und als ich mich dann kurz im Spiegel in der Halle beobachtete: Mein Oberkörper schwankte nicht mehr, ich war flexibel in meiner Körpermitte und vor allem BEWEGLICH.

Dieses Reitgefühl auf Cento war einfach nur fantastisch. Und nun wusste ich, was ich tun musste, um es immer wieder hervorrufen zu können: Yoga für Reiter.

 

Also schnappt euch eure Yogamatten und sucht euch ein lauschiges Plätzchen - gerne auch direkt im Stall vor oder auf der Pferdeweide ;)

 

Hier die versprochenen Übungen für Yoga für Reiter, die euch helfen, euren Sitz enorm zu verbessern!

Wichtige Hinweise zu Beginn

Ich bin weder Yoga-Lehrerin noch kann ich jemanden in Yoga anleiten. Wer diese Übungen zu Hause ausprobieren möchte und sich näher informieren möchte, dem sei ein Besuch in einem Yoga-Studio oder eine Session bei einem geprüften Yoga-Lehrer empfohlen.

Hilfreich ist auch das schon erwähnte Buch "Faszientraining mit Yin-Yoga", das genaue Anleitungen für die einzelnen Asanas und auch die Hintergründe liefert, wieso Faszien-Training so wichtig ist.

 

Zieht euch bequeme Klamotten an - und nehmt euch ein Zeit für euch selbst. Raus aus dem Alltags- und manchmal auch raus aus dem Stallstress.

Das bequeme Plätzchen im Grün unter dem Baum direkt neben den Pferdeweiden mag ich total gern, meine Hündin Arwa auch, wie man auf den Fotos sehen kann ;)

 

Die unten stehenden Übungen mache ich gerne in dieser Reihenfolge. Ich habe mir da mein eigenes kleines Übungsprogramm zusammengestellt, das mir gut tut. Doch jeder Körper ist individuell und jeder hat andere Wehwechen, auf die ihr achten müsst. Die Übung, die mir gut tut, kann für den anderen aufgrund von z.B. Bandscheibenproblemen weniger gut sein. Achtet bitte genau auf euren Körper, während ihr Yoga für Reiter macht. Bei Schmerzen sofort aufhören bzw. die Position ändern!

Die einzelnen Asanas im Yin-Yoga haltet ihr optimalerweise für 3 bis 5 Minuten. Dann bewusst und langsam auflösen und in die nächste Übung gehen. Am Schluss legt ihr euch entspannt auf den Rücken und fühlt in euren Körper hinein: War das jetzt nicht unglaublich angenehm?

 

Ich bin noch weit davon entfernt, alle Asanas in der in den Büchern und Lehrvideos Vorzeigepositionen zu schaffen - mein Körper hat viele verkürzte, steife und verspannte Stellen. Aber mit viel Geduld und Achtsamkeit kann man es schaffen, seinen Körper so optimal für das Reiten vorzubereiten, das jedes einzelne Mal Reiten zum Genuss wird, weil euer Körper flexibel und frei mit dem des Pferdes mitschwingen kann und ihr zwei euch so in Harmonie gemeinsam bewegen könnt.

 

Und was gibt es schöneres??

 

Den Reitersitz verbessern mit Yin-Yoga für Reiter

Dangling

Bei dieser Übung lockert ihr euren Nacken und den gesamten Oberkörper. Außerdem bringt ihr Dehnung in die Oberschenkelrückseiten und schult euer Gleichgewicht durch die Kopfüber-Haltung.

Caterpillar

In diesem Asana wird die gesamte Körperrückseite gestreckt und aufgedehnt. Hier steckt vor allem bei Reitern, die tagsüber im Bürostuhl sitzen, die meiste Ver- und Anspannung.

Zieht euch nicht an den Händen nach vorn, sondern arbeitet bewusst mit eurem Atem und der Entspannung. So kommt ihr Schritt für Schritt weiter nach vorne.

Butterfly


Bei dieser Übung dehnt ihr hauptsächlich die Leistengegend und die Oberschenkelinnenseiten. Ich sitze in dieser Position gerne aufrecht, korrekterweise müsste man sich in diesem Assana noch nach vorneüber beugen - damit erzielt ihr eine vollere Dehnung der Rückenmuskulatur und der großen Rückenfaszie.

Twisted Root

In dieser Position wird die Wirbelsäule passiv gedreht. Ihr liegt auf dem Rücken und zieht die Knie zur Brust, dann lasst ihr sie beim Ausatmen langsam auf eine Seite  fallen. Der Kopf dreht sich in die entgegengesetzte Richtung.

Dabei wird die Wirbelsäule auf der Ebene der Knochen, der Muskeln und der Faszien stimuliert.

Diese Übung auf beide Seiten durchführen.

Squat

Die perfekte Übung für fast den gesamten unteren Körper: Ihr dehnt dabei die Fußgelenke, die Knie, die Innenseiten der Oberschenkel, die Hüften und den unteren Rücken. Kommen die Beine weiter auseinander, verstärkt ihr die Dehnung in den Hüften, sind die Füße enger zusammen, werden die Fußgelenke beweglicher.

Lockere Fußgelenke sind für Reiter enorm wichtig!

Sphinx

Bei dieser leichten Rückbeuge werden Brust, Lungen, Schultern und unterer Rücken aufgedehnt.

Eine Übung, die vor allem für Reiter, die zu "Kollabieren" im Oberkörper tendieren, sehr gut geeignet ist, weil sie hilft, das Brustbein und die Schultern zu öffnen.

Außerdem eine tolle Übung gegen chronische Müdigkeit!

Variante der Sphinx: Seal

Im Seal stimuliert ihr den unteren Rücken und die Faszien um das Iliosakralgelenk. Je nachdem, wie stark ihr die Arme abwinkelt, sie abspreizt, eure Beine zusammendrückt oder auseinanderspreizt, variiert ihr die Intensität der Übung. Wichtig dabei: Po bleibt locker, Schultern können hoch- oder runtergezogen werden.

Shoelace

Die perfekte Übung zum Öffnen der Hüftgelenke!

Dieses Asana dehnt die Außenseiten der Oberschenkeln und die Gesäßmuskulatur des jeweils oberen Beines sowie die Muskulatur des Beines. Ich liebe diese Übung, weil sie wirklich tief in die Strukturen des Körpers hineingeht, die wir im Alltag normalerweise nicht benötigen.

Legt eure angewinkelten Beine übereinander, wobei die Knie nach vorne zeigen und die Zehen nach außen.

Dragon Flying Low

Mit dieser Übung dehnt ihr eure Hüftbeuger so richtig auf. Die Übung auf beiden Seiten machen. Ihr könnt variieren wie weit ihr euer Becken zum Boden bringt, um die Dehnung im Hüftbeuger zu vergrößeren oder zu verringern. Diese Übung hilft generell auch, Stress zu verringern und zu mehr Wohlbefinden zu gelangen.

Eure Erfahrungen und Erlebnisse sind gefragt!

Hinterlasst mir hier einen Kommentar, schreibt mir auf Facebook oder eine E-Mail und erzählt mir, welche Erfahrungen ihr mit Yoga für Reiter und eurem Reitersitz gemacht hat. Ob es euch überhaupt etwas gebracht hat und wenn ja, was genau ;)

 

Ich habe da schon so irrwitzige Ideen wie einen Workshop für Reiter: zuerst Yoga, dann Reiten. Wie hört sich das für euch an?

 

Ich freue mich auf eure Rückmeldungen!

27 Kommentare

So

17

Mai

2015

Sitzschulung: So verbesserst du deinen Sitz um Welten

Losgelassener und ausbalancierter Reitersitz: Der Weg zu Harmonie beim Reiten.
Ein losgelassener und ausbalancierter Reiter ist ein Muss für jeden, der nach Harmonie beim Reiten strebt.

Du strebst nach dieser viel besprochenen Harmonie im Sattel mit dem Pferd und dir fehlt irgendwie noch etwas?
Du fühlst dich im Sattel noch nicht wirklich verbunden mit deinem Pferd? Es hopst und schaukelt im Trab, vor allem beim Aussitzen, und auch im Galopp? Eventuell hast du auch Rückenschmerzen beim oder nach dem Reiten?

 

Wenn du die folgenden Tipps berücksichtigst, kommst du deinem Ziel - einem ausbalancierten, mitgehenden Reitersitz - gleich um einige Schritte näher!
Regelmäßiges Yoga oder Stretching für lockere Muskeln

Nur wer lockere Muskeln und offene Gelenke hat, hat einen mitgehenden, unabhängigen Reitersitz. Klingt so einfach! Sitzen wir nicht alle total locker am Pferd? Vor allem nach einem 10-Stunden-Büroarbeitstag oder einem ganzen Tag hinter der Schulbank?
Nein! Das tun wir leider nicht. Wer sich nicht regelmäßig bewegt, wird immer mit verspannten Muskeln (v.a. Schulter und Nackenbereich) und stockenden Bewegungen im Becken (v.a. Hüftgelenke) zu tun haben. Wer rastet, der rostet!
Um deine Gelenke beweglich und deine Muskeln elastisch zu behalten, solltest du regelmäßig etwas dafür tun! Ich habe Yin Yoga, eine ganz besondere Art von Yoga, für mich entdeckt. Und es ist mein persönliches Elixir für einen unabhängigen, losgelassenen, beweglichen Reitersitz! Das faszinierende an Yin Yoga ist das Beibehalten von einer Position über mehrere Minuten: So werden die untersten Muskelschichten, die Faszien, aktiviert. Nach einer nur halbständigen Session, die ich eine Stunde vor dem Reiten zuhause gemacht hatte, bemerkte ich ein vollständig anderes und positiveres Sitzgefühl. Man sitzt durch diese Yin Yoga-Übungen tiefer im Sattel und gefühlt "im" Pferd, statt nur "auf" dem Pferd. Aussitzen im Trab und gefühlvolles Mitgehen im Galopp werden dadurch zum Klacks!
Speziell Übungen für den Rücken und die Beine, die die Hüfte mobilisieren und den Rücken kräftigen, sollten Reiterinnen und Reiter mind. 2x wöchentlich machen.
Ich habe mir aus dem Buch "Faszientraining mit Yin Yoga" Übungen speziell für meine "Problemzonen" unterer Rücken und Hüftgelenke herausgesucht und praktiziere diese mind. 4x pro Woche.
Probiert es aus - das Ergebnis beim Reiten wird euch umhauen!

Buchtipp: Dirk Bennewitz/Andrea Kubasch: Faszientraining mit Yin Yoga
Mich würde deine Meinung interessieren! Was hältst du von einer Fotosession mit meinen Lieblings-Yoga-Übungen für einen besseren Reitersitz?
Hinterlasse mir deine Meinung als Kommentar zu diesem Blogbeitrag!

Sitzschulung des Reiters: Oberschenkel über die Sattelpauschen legen
Die Oberschenkel über die Pauschen zu legen, hilft, den unteren Rücken zu füllen - und wirkt dem Sitz im Hohlkreuz entgegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oberschenkel über die Sattelpauschen legen

Eine ganz einfache Übung, die ich beim Reiten am hingegebenen Zügel in der Aufwärmphase immer einbaue:
Lege deine Oberschenkel über die Pauschen eures Sattels. Beim Dressur- oder Vielseitigkeitssattel kannst du die Pauschen als Stütze für eure Oberschenkel benutzen, beim Westernsattel legst du die Oberschenkel neben das Horn.
Durch diese Übung dehnst du  automatisch deinen unteren Rücken auf - ein Sitzen im Hohlkreuz ist dadurch gar nicht mehr möglich. Geh in diesem Sitz mehrere Runden Schritt und fühle deine Sitzbeinhöcker: Diese solltest du nur mehr ganz dezent spüren.

Bei jedem Ausatmen lenkst du deinen Atem ganz bewusst in die Region des unteren Rückens und in das Becken. Beim Einatmen dehnt sich dein Brustkorb aus und richtet euch auf. Dies alles sind kleine Bewegungen - nicht übertreiben!

Wenn dein Pferd in diesem Sitz abschnaubt und den Hals fällen lässt: Voilà! Der erste Schritt Richtung losgelassener Sitz ist getan und dein Pferd dankt dir!

Nach ein paar Runden Schritt legst du die Oberschenkel wieder in die Ausgangsposition zurück: Bewege nur die Oberschenkel, sonst nichts.
Du solltest nun das Gefühl haben, tiefer im Sattel zu sitzen, du hast mehr Kontakt über den Hintern mit dem Sattel und die Oberschenkel kleben gefühlt zu weit an den Pauschen bzw. am Sattelblatt vorne. Doch nichts daran ist falsch! Wer seine Sitzbeinhöcker beim Reiten ständig spürt, sitzt im Hohlkreuz. Und wer seine Oberschenkel von den - meist viel zu großen Pauschen - nach hinten drücken lässt, gerät ins Klemmen mit den Knien, was die Hüfte völlig blockiert. Dies dient nicht dem unabhängigen Reitersitz und ist zudem sehr unangenehm für das Pferd.

Reiten ohne Sattel zur Sitzschulung des Reiters
Reiten ohne Sattel: Bringt grobe Sitzfehler ans Tageslicht, hilft sie aber auch auszumerzen.

 

 

 

 

 

 

Reiten ohne Sattel

Hin und wieder ohne Sattel zu reiten (wer will gerne auch mit einem Pad), legt Fehler im Reitersitz offen. So übt man am leichtesten Sitzkontrolle aus!

Wer beim Reiten ohne Sattel nur auf dem Pferd bleibt, wenn die Knie zur Stabilisierung ans Pferd gedrückt werden müssen oder wenn Aussitzen nur mit stark nach hinten gelehntem Oberkörper möglich ist, dann muss klar sein: Hier fehlt es am mitgehenden Becken und offenen Hüftgelenken!
Nimm dir dann vor, deine Hüftgelenke und deinen unteren Rücken durch spezielle Übungen (Stretching, Yoga - siehe Punkt 1 meiner Liste) wieder zu mobilisieren und überprüfe dann wieder deinen Sitz beim Reiten ohne Sattel: Er sollte sich deutlich verbessern. Schonender fürs Pferd ist es beim Reiten ohne Sattel übrigens auch ohne Gebiss, d.h. gebisslos. Beim Reiten ohne Sattel werden Reiterschwächen multipliziert und wer noch nicht über den perfekten losgelassenen Reitersitz verfügt, wird auch noch keine vom Sitz unabhängige Reiterhand haben und dann dem Pferd vermehrt unnötig im Maul herumzupfen. Wer sich ohne Sattel und ohne Trense nicht sicher fühlt, bittet eine Freundin, einen Freund im Stall, eine Longe einzuhängen. So kannst du die Kontrolle zumindest teilweise abgeben und dich voll und ganz auf deine Körperwahrnehmung während der Sitzschulung konzentrieren.

Regelmäßiger Ausdauersport hält beim Reiten fit
Reiten ist Sport: Halte dich mit regelmäßigem Ausdauersport fit.

 

 

 

 

 

Leichter Ausdauersport für Ausgleich und Stärkung von Kreislauf und Bewegungsapparat

Nur wer fit ist und seinen Körper in Schuss hält, ist auch fit fürs Reiten - so meine Meinung. Ja, Reiten ist für mich Sport, und der macht nur Spaß, wenn ich fit bin und nicht nach einer Runde im Aussitzen hechelnd am Pferd sitze.

Deshalb versuche ich, so oft wie möglich leichten Ausdauersport zu machen. Dazu zählen für mich gemütliche Wanderungen mit dem Hund, leichte Klettertouren oder Klettersteige, Mountainbiken oder Rennradeln (perfekt für die Gelenke in den Beinen) oder im Winter Skifahren und Skitouren.

Damit halte ich mein Herz-Kreislauf-System in Schwung, baue Ausdauer und Kraft auf und mobilisiere zudem meinen gesamten Bewegungsapparat. Und wo, wenn nicht beim Reiten, ist mein Körper derart schwungvoll in Bewegung wie beim Reiten und wo, wenn nicht beim Reiten, muss ich nicht nur meinen Körper in Bewegung unter Kontrolle halten, sondern zudem noch einen zweiten Körper, nämlich den des Pferdes?? Allein, dass ich mein Pferd bestmöglich beim Reiten unterstützen möchte, verlangt von mir, ein genauso guter "Sportkamerad" zu sein, wie ich es auch von meinem Pferd verlange. Also wieso nicht auch seinen eigenen Körper trainieren und nicht nur den des Pferdes?

Videos beim Reiten machen

Bitte immer wieder mal einen Pferdefreund, eine Pferdefreundin im Stall, dich beim Reiten zu filmen. Es reicht eine kurze Sequenz etwa im Schulterherein oder im Galopp am Zirkel. Sich selbst zu beobachten und Fehler, die dadurch ans Tageslicht gelangen, zu entdecken und zu akzeptieren, bringt dich schon einen gewaltigen Schritt zum perfekten Reitersitz weiter: Du weißt nun, wo deine Schwächen liegen, aber auch, was schon gut gelingt. Und dann arbeite an diesen Schwächen, am besten mit professioneller Hilfe. Gerade, wenn es um lange "eingesessene" Fehler beim Reitersitz geht, kommt man alleine nicht richtig weiter. Neue Anreize von einer objektiven Person bringen schnellere Fortschritte als wenn du ständig alleine zuhause rumprobierst - vor allem weil die Erfolgskontrolle fehlt. Du kannst dich ja schließlich nicht jeden Tag filmen, außer du hast einen sehr verständnisvollen Freund ;)

0 Kommentare

So

26

Okt

2014

Wann Gebisslos- und Halsring-Reiten wirklich Sinn machen

Sein Pferd mit so gut wie wie nichts reiten zu können, das wünscht sich früher oder später (fast) jeder Reiter. Es zeugt von einem harmonischen Miteinander, einem hohen Maß an gegenseitigem Vertrauen und einem gut ausbalancierten Reiter auf einem verlässlichen Pferd.

Aber ab welchem Zeitpunkt kann ich gebisslos reiten? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich meinem Pferd derart vertrauen kann, dass ich es nur mehr mit Halsring - ohne Sattel, ohne Zaumzeug, ohne sonstige Möglichkeit, auf es einwirken zu können, reiten kann?

 

Gebisslos, das heißt mit speziellen Zäumen, in die kein Gebiss eingeschnallt ist, sondern die über die Nase und/oder das Genick wirken, kann ein gut ausgebildetes Pferd ziemlich bald geritten werden. Vorausgesetzt, Pferd und Reiter kennen sich gut, alle drei Gangarten können in geregeltem Tempo geritten werden und Übergänge und Handwechsel sind ohne Kommunikationsschwierigkeiten möglich.

 

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, setze ich das Lindell oder das Sidepull gerne bei Pferden ein, die folgende Verbesserungspotenziale unter dem Reiter zeigen:

 

- zu wenig frisches Vorwärts

- Verwerfen im Genick

- Zungenprobleme

- hohe Halshaltung, kein oder wenig Nachgeben des und Öffnen im Genick

- keine oder wenig Dehnung der Oberlinie (Hals, Rücken)

- Verkriechen hinter dem Zügel

 

Pferde, die sich unter dem Reiter versteifen und sich nicht trauen, vertrauensvoll an das Gebiss heranzutreten und die Oberlinie zu dehnen sowie das Genick zu öffnen, profitieren enorm von der gebisslosen Zäumung.
Das (meist unangenehm empfundene) Gebiss fällt weg, die Pferden trauen sich schneller, sich nach vorwärts-abwärts zu dehnen, den Hals fallen zu lassen und damit den Rücken aufzuwölben. Ein frisches Vorwärts sollte dabei aber selbstverständlich sein.

 

Die Steigerungsform, das Halsring-Reiten, setze ich gerne bei Pferden ein, die wenig Vorwärts zeigen, die sich hinter dem Zügel verkriechen und sich verhalten.

Alleine das Gefühl der Freiheit ohne Zäumung lässt die Pferde gleich viel frischer vorwärts gehen und sie entdecken wieder die Freude an der Bewegung ohne das Gefühl der einschränkenden Zäumung.

 

Das Lindell (bzw. Sidepull) oder den Halsring setze ich ab und zu in der Dressurarbeit ein, um dem Pferd Abwechslung und Freude an der Bewegung zu bieten. Eine korrekte Anlehnung durch das energische Herantreten der Hinterhand unter den Schwerpunkt des Reiters bei gleichzeitigem Heben der Vorhand und des Widerrists ist gebisslos nur schwer zu erreichen, aber nicht unmöglich - wie viele Videos im Internet beweisen.

 

Falls der Wunsch bestehen sollte, einmal gebisslos oder völlig frei nur mit Halsring reiten zu können, leite ich gerne die vorbereitenden Übungen und schlussendlich das Reiten in völliger (gebissloser) Freiheit an: Einfach bei mir melden!

 

0 Kommentare